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Terrassierte Weinberge an einem Hang im warmen Abendlicht

Albanischer und kosovarischer Wein in Zahlen (Stand 2026)

Von Dennis Shalja · 7 Min. Lesezeit

Foto: François Philipp, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Albanischer und kosovarischer Wein in Zahlen: Rebfläche, Traubenernte, Weinproduktion, Kellereien und Handel – jede Zahl mit amtlicher Quelle.

Über albanischen und kosovarischen Wein wird viel erzählt, aber selten gezählt. Belastbare Zahlen sind verstreut über Statistikämter, Ministerien und Handelsdatenbanken, und manche widersprechen sich. Diese Seite sammelt, was sich mit einer amtlichen oder internationalen Quelle belegen lässt. Jede Zahl steht mit Jahr und Quelle da. Wo Angaben nicht zusammenpassen, sagen wir das.

Auf einen Blick

AlbanienKosovo
Rebfläche11.339 ha (2022, OIV)3.472 ha (2022, MAFRD)
Traubenernte211.178 t (2022, INSTAT)23.506 t (2022, MAFRD)
Weinproduktionkeine amtliche Zahl7,86 Mio. l (2022, MAFRD)
Kellereien70 (2023, OIV)35 (2022, MAFRD)
Rote LeitsortenKallmet, Shesh i ZiVranac (503 ha)
Weinexport0,4 Mio. USD (2024, Comtrade)nicht veröffentlicht
OIV-Mitgliedseit 2023 (50. Staat)–

Albanien

Rebfläche und Kellereien

Albanien bewirtschaftete 2022 11.339 Hektar Reben. Das meldete die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV), als Albanien 2023 ihr 50. Mitgliedsstaat wurde. Registriert waren damals 70 Kellereien, davon mehr als 20 größere Betriebe. Unter den Weinerzeugerländern der Welt steht Albanien laut OIV auf Platz 41, beim Weinkonsum auf Platz 55.

Dieselbe OIV-Mitteilung nennt für 2021 eine bepflanzte Fläche von 7.442 Hektar, davon 5.955 Hektar Keltertrauben und 1.488 Hektar Tafeltrauben. Die beiden Werte stammen vermutlich aus unterschiedlichen Abgrenzungen. Wer eine Zahl braucht, sollte das Jahr immer mitnennen.

Traubenernte: fast 40 Prozent von der Pergola

Das albanische Statistikamt INSTAT zählte für 2022 eine Traubenernte von 211.178 Tonnen. Der bemerkenswerteste Teil steckt im Kleingedruckten: Nur 60,8 Prozent davon stammen aus Weinbergen. 39,2 Prozent wachsen an Pergolen, also an den Rebenlauben über Höfen und Terrassen, die in Albanien zu fast jedem Haus gehören.

JahrTraubenernte
2020199.100 t
2021212.000 t
2022211.178 t

Dieser hohe Pergola-Anteil erklärt vieles: Ein großer Teil der albanischen Trauben landet nie in einer Kellerei, sondern im Hauswein und im selbstgebrannten Raki. Nach Angaben der deutschsprachigen Wikipedia wird rund die Hälfte der Ernte zu Raki gebrannt und nur etwa ein Fünftel zu Wein.

Handel: viel Import, kaum Export

Die albanischen Zolldaten, die Albanien an die UN-Handelsdatenbank Comtrade meldet (Warennummer 2204, Wein aus frischen Trauben), zeigen ein klares Bild:

20232024
Weinimporte20,2 Mio. US-Dollar24,0 Mio. US-Dollar
davon aus Italien14,8 Mio. US-Dollar17,1 Mio. US-Dollar
Weinexporte295.000 US-Dollar399.000 US-Dollar
Exportmengerund 12.500 Literrund 13.300 Liter
Exporte nach Deutschland213.000 US-Dollar393.000 US-Dollar

Albanien importiert also rund 60-mal so viel Wein, wie es exportiert. Den größten Teil liefert Italien, gefolgt von Frankreich, Serbien und Nordmazedonien. Der Export ist winzig, und er geht laut albanischer Meldung fast vollständig nach Deutschland: 2024 rund 99 Prozent des Exportwerts.

Die deutsche Importstatistik sieht das anders. Sie verbucht für 2024 nur Wein im Wert von rund 11.800 US-Dollar aus Albanien. Solche Abweichungen zwischen Export- und Importstatistik sind im Handel mit kleinen Mengen häufig, etwa weil Ware über Drittländer läuft oder anders zugeordnet wird. Sicher ist: Albanischer Wein kommt nur in sehr kleinen Mengen nach Deutschland. Wo es ihn trotzdem gibt, steht in unserer Kaufberatung.

Kosovo

Für den Kosovo gibt es eine ausführliche amtliche Quelle: den jährlichen Green Report des Landwirtschaftsministeriums (MAFRD). Die folgenden Zahlen stammen aus der Ausgabe 2023 mit Daten für das Jahr 2022.

Rebfläche und Sorten

Der Kosovo hatte 2022 3.472 Hektar Reben. Davon entfallen 2.521 Hektar auf Keltertrauben und 951 Hektar auf Tafeltrauben. Vor dem Krieg war die Fläche gut zweieinhalbmal so groß: Ein Bericht der regionalen Arbeitsgruppe SWG nennt für 1998 rund 9.000 Hektar.

Rote SortenFläche
Vranac (Vranç)503 ha
Prokupac340 ha
Gamay235 ha
Pinot Noir157 ha
Zhamet97 ha
Weiße SortenFläche
Smederevka376 ha
Welschriesling231 ha
Chardonnay114 ha
Riesling60 ha
Weißer Prokupac28 ha

Leitsorte ist der tiefdunkle Vranac. Ein Detail für Kenner: Auch die albanische Sorte Kallmet wächst im Kosovo, allerdings nur auf 7 Hektar.

Produktion

Aus der Ernte 2022 entstanden 7,86 Millionen Liter Wein: 4,64 Millionen Liter Weißwein, 3,14 Millionen Liter Rotwein und 79.000 Liter Rosé. Die Menge schwankt stark mit dem Wetter:

JahrWeinproduktion
201811,74 Mio. Liter
20195,75 Mio. Liter
20209,43 Mio. Liter
20217,79 Mio. Liter
20227,86 Mio. Liter

Kellereien

2022 meldeten 35 lizenzierte Betriebe eine Weinproduktion. Der Markt ist stark konzentriert: Stone Castle in Rahovec erzeugte mit 35.548 Hektolitern allein 45 Prozent des kosovarischen Weins. Es folgen Sunny Hills (11.173 hl), Biopak (9.967 hl), Bodrumi i Vjetër (9.918 hl) und Ilirian Winery (3.700 hl). Die meisten anderen Betriebe sind klein, viele erzeugen weniger als 300 Hektoliter im Jahr.

Einen Hinweis auf den Export gibt das staatliche Önologielabor: 2022 untersuchte es 246 Weinproben für den Export. Veröffentlichte Exportmengen haben wir nicht gefunden.

Und Deutschland?

  • Amselfelder: In den 1960er- und 1970er-Jahren war der Rotwein aus dem Kosovo Westdeutschlands meistgekaufter Rotwein, mit rund 30 Millionen Flaschen im Jahr. Die ganze Geschichte steht in unserem Artikel über den Amselfelder.
  • Diaspora: In Deutschland leben rund 544.000 Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus dem Kosovo, 197.000 davon sind hier geboren (Mikrozensus 2024). Albanien wird in dieser Statistik nicht einzeln ausgewiesen.
  • Preise: Gute Flaschen aus autochthonen Sorten kosten im deutschen Handel meist 15 bis 30 Euro, albanische Flaschen gibt es ab rund 15 Euro, Weine aus dem Kosovo ab rund 9 Euro. In Albanien selbst ist derselbe Wein etwa ein Drittel günstiger: Der Kallmet Rezervë der Kantina Arbëri kostet dort 18 Euro, in Deutschland 28,90 Euro (Stand September 2026).

Wie gut sind die Daten?

Wer über albanischen Wein schreibt, stößt auf Zahlen, die nicht zusammenpassen. Drei Beispiele:

  • Die staatliche Nachrichtenagentur ATA meldete im August 2025, Albanien habe im ersten Halbjahr 17.785 Tonnen Wein exportiert. Laut den Zolldaten bei UN Comtrade lag der Export im ganzen Jahr 2024 bei rund 13 Tonnen. Beide Zahlen können nicht dieselbe Ware beschreiben.
  • In englischsprachigen Artikeln kursiert, Albanien habe 2022 3,03 Millionen Liter Wein produziert und 46,4 Prozent davon exportiert. Die Zahl wird dem Landwirtschaftsministerium zugeschrieben, eine Originalquelle haben wir nicht gefunden. Der Exportanteil passt nicht zu den Zolldaten.
  • Für 2024 weichen albanische Export- und deutsche Importstatistik um mehr als das Dreißigfache voneinander ab (siehe oben).

Wir nennen deshalb nur Zahlen, deren Herkunft wir prüfen konnten. Für Albanien fehlt eine veröffentlichte amtliche Weinproduktionsmenge. Die Zahlen für den Kosovo sind deutlich vollständiger.

Zahlen frei zitierbar mit Quellenangabe „Agron (agron-wein.de)“. Für Rückfragen: [email protected].

Quellen: OIV – Albania becomes the 50th OIV Member State (6.9.2023: Rebfläche, Kellereien, Ranking); INSTAT – Agriculture Statistics 2022 (23.6.2023: Traubenernte, Pergola-Anteil); UN Comtrade (Warennummer 2204, Meldungen Albaniens und Deutschlands 2023/2024, abgerufen 28.9.2026); MAFRD – Kosovo Green Report 2023 (Datenjahr 2022: Rebfläche, Sorten, Produktion, Kellereien, Laborproben); SWG – Report for the Viticulture and Wine Sector in the Western Balkans (Kosovo-Rebfläche 1998); BAMF – Migrationsbericht 2024, Kapitel 7 (Diaspora); Wikipedia – Weinbau in Albanien (Anteil Raki/Wein); Wikipedia – Amselfelder (Absatz in Westdeutschland); ATA via AMAN (Exportmeldung 2025); SevenFifty Daily (Produktionsangabe 2022); Preise: Blishqip.al, Weinhaus Fehser. Stand: 28. September 2026.

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