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Das Magazin für albanischen Wein & Feinkost

Von Illyrien ins Glas

Labi Wine aus Rahovec: Kosovos Wein, den kaum jemand kennt

Kosovarischer Wein ist noch unbekannter als albanischer: Labi Wine aus Rahovec keltert aus der Vranac-Traube Rotweine mit Charakter – ein Porträt.

Von Dennis Shalja · · 6 Min. Lesezeit

Reife, tiefblaue Vranac-Trauben am Rebstock in der Sonne von Rahovec im Kosovo
Foto: Labi Wine

Wer glaubt, albanischer Wein sei ein Geheimtipp, hat vom kosovarischen noch nie gehört. Dabei liegt keine 100 Kilometer hinter der albanischen Grenze eine der ältesten Weinregionen des Balkans – und dort, in der Weinstadt Rahovec, keltert das Familienweingut Labi Wine Rotweine, die es verdient hätten, weit über das Kosovo hinaus bekannt zu sein.

Rahovec – das Weinherz des Kosovo

Der Wein des Kosovo hat ein Zentrum, und es heißt Rahovec. Die Kleinstadt im Südwesten des Landes ist von Rebhügeln umgeben; Wein wird hier seit der Antike angebaut. Die Bedingungen sind ideal: rund 250 Sonnentage im Jahr, Weinberge auf 300 bis 500 Metern Höhe, ein kontinentales Klima mit warmen Tagen und kühlen Nächten.

Kaum jemand in Deutschland weiß, wie präsent kosovarischer Wein hier einmal war: Der Amselfelder – in den 60er- und 70er-Jahren Westdeutschlands meistgekaufter Rotwein, rund 650 Millionen verkaufte Flaschen – stammte aus genau dieser Region, südlich von Rahovec. Sogar die Vranac-Traube war Teil seines Verschnitts. Der Krieg beendete diese Ära. Was heute in Rahovec entsteht, ist etwas anderes: kein Massenwein, sondern die Rückkehr zur Qualität in kleinen, familiengeführten Kellereien.

Labi Wine – eine Familie, ein Neuanfang

Die Geschichte von Labi Wine ist die Geschichte des Kosovo im Kleinen. Über Generationen bauten die Vorfahren der Familie Trauben an und brannten Raki – „trotz vieler Hindernisse durch wechselnde Besatzer”, wie das Weingut selbst schreibt. Erst das Ende des Krieges 1999 gab der Familie die Möglichkeit, ihre jahrhundertealte Tradition wieder frei aufzunehmen. Man begann, so das Haus, „mit wenigen einfachen Mitteln und einer zerstörten Familienwirtschaft”.

Statt beim Alten zu bleiben, investierte die Familie in Ausbildung und moderne Kellertechnik – und registrierte 2009 die eigene Marke LabiWine. Der Anspruch steckt im Motto, das über jeder Flasche steht: „Poezi në secilën shishe” – Poesie in jeder Flasche. Die Trauben werden von Hand gelesen, verarbeitet wird in kleinen Chargen, um nur die besten Beeren in den Wein zu bringen.

Barriquekeller von Labi Wine mit gestapelten Fässern und Verkostungstisch, rote Wände Der Barriquekeller in Rahovec: Fässer mit dem Labi-Wine-Wappen, dazwischen ein Verkostungstisch. Foto: Labi Wine

Die Weine: Vranac im Zentrum

Das Herz des Sortiments ist die Vranac-Traube (albanisch: Vranç) – eine der ältesten roten Rebsorten des Balkans, die tiefdunkle, kräftige Rotweine mit viel Farbe, Tannin und Wucht ergibt. Was Kallmet für Nordalbanien oder Vlosh für die albanische Küste ist, ist Vranac für das Kosovo: die rote Leitsorte, der Charakterkopf der Region.

Labi Wine keltert sie in mehreren Ausbaustufen:

  • Vranç (verschiedene Jahrgänge, ca. 14–18 €): der zugängliche, sortentypische Rotwein – kräftig, dunkel, ehrlich.
  • Rahova Klasike (ca. 30 €): die gehobene Cuvée, Vranç ergänzt um Cabernet Sauvignon.
  • Grand Rahova Reserve (ca. 125 €): der Spitzenwein. Die Trauben (75 % Vranç, 25 % Cabernet Sauvignon) bleiben so lange am Stock, bis sie anzutrocknen beginnen – ein Appassimento-Verfahren wie beim italienischen Amarone, das Konzentration und Tiefe bringt.

Dazu kommen ein Chardonnay als frischer Weißwein und ein reinsortiger Cabernet Sauvignon – Beleg dafür, dass Rahovec auch mit internationalen Sorten umzugehen weiß.

Dass diese Qualität kein Heimspiel-Urteil ist, bestätigt eine internationale Bühne: Der Vranç Reserve 2020 holte beim Concours International de Lyon 2024 Gold – und obendrein die Trophäe als bester Wein Kosovos im gesamten Wettbewerb („Best wine from Kosovo in the competition”). Für ein Land, dessen Wein im Ausland kaum jemand kennt, ist das ein starkes Ausrufezeichen.

Warum kosovarischer Wein die nächste Entdeckung ist

Rebenreihen von Labi Wine unter blauem Himmel mit weißen Wolken, sattes Grün Junge Reben in den Lagen um Rahovec – bei rund 250 Sonnentagen im Jahr. Foto: Labi Wine

Albanischer Wein wird gerade erst entdeckt – kosovarischer ist noch eine Stufe unbekannter, obwohl beide Länder denselben Kulturraum, dieselbe Sprache und eine eng verwandte Weinbautradition teilen. Für Entdecker heißt das: Hier liegt eine Weinwelt, die im deutschsprachigen Raum praktisch niemand auf dem Schirm hat – mit eigenständigen Sorten, ernsthafter Qualität und Preisen, die noch nichts von Hype wissen. Wer die Raritäten des albanischen Weins mag, findet im Kosovo das nächste Kapitel derselben Geschichte.

Unser Fazit

Labi Wine steht für ein Kosovo, das nach 1999 seine Weintradition nicht nur bewahrt, sondern neu erfunden hat: familiengeführt, handwerklich, mit der Vranac-Traube als stolzem Zentrum. In Deutschland ist der Wein bislang kaum zu bekommen – umso mehr lohnt es, sich den Namen zu merken. Denn wenn die Welt den albanischen Wein entdeckt hat, ist das Kosovo als Nächstes an der Reihe. Mehr zur gemeinsamen Geschichte des Weins in dieser Region liest du in unserem Überblick.

Häufige Fragen

Gibt es Wein aus dem Kosovo?

Ja, und mit langer Tradition: Die Region um Rahovec im Südwesten des Kosovo ist seit der Antike Weinland. In den 1980er-Jahren exportierte das Kosovo bis zu 40 Millionen Liter Wein pro Jahr, ein großer Teil davon nach Deutschland. Heute keltern Familienbetriebe wie Labi Wine wieder Qualitätsweine aus einheimischen und internationalen Sorten.

Was ist die Vranac-Traube?

Vranac (auf Albanisch Vranç) ist eine der ältesten Rotwein-Rebsorten des Balkans. Sie ergibt tiefdunkle, kräftige Rotweine mit hohem Alkoholgehalt und viel Farbe und Tannin. In Kosovo und Montenegro gilt sie als die rote Leitsorte – vergleichbar dem Stellenwert, den Kallmet oder Vlosh in Albanien haben.

Wo liegt das Weingut Labi Wine?

Labi Wine liegt in Rahovec (albanisch Rahovec, serbisch Orahovac), der wichtigsten Weinstadt des Kosovo im Südwesten des Landes. Die Weinberge liegen auf sonnigen Hügeln in rund 300 bis 500 Metern Höhe – bei etwa 250 Sonnentagen im Jahr.

Was kostet Wein von Labi Wine?

Die Preise reichen von rund 10 Euro für einen jungen Cabernet Sauvignon oder Vranç bis zu 125 Euro für den Grand Rahova Reserve – einen im Appassimento-Stil aus angetrockneten Trauben gekelterten Spitzenwein. Die meisten Flaschen liegen im erschwinglichen Bereich zwischen 13 und 30 Euro.

Hat Labi Wine internationale Auszeichnungen gewonnen?

Ja: Der Vranç Reserve 2020 gewann beim Concours International de Lyon 2024 eine Goldmedaille und zusätzlich die Trophäe als bester Wein Kosovos im Wettbewerb ('Best wine from Kosovo in the competition') – eine der wenigen internationalen Auszeichnungen für einen kosovarischen Wein.

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